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Die Fehler der Anderen

Endlich ist es soweit: nach 31 ½ Jahren wollte ich am Sonntag zum ersten mal Fahrbetrieb auf meiner Anlage (zumindest den Anfängen von selbiger) machen. Also die noch von der Verdrahtung stehenden Segmente wieder gekippt, zusammengeschraubt und die Kabelverbindungen zusammengesteckt. Vorher durchmessen? Ach was, ich habe doch sorgfältig gearbeitet, fehlerhafte Verdrahtungen passieren immer nur den Deppen in irgendwelchen Internetforen. Also Stecker in die Steckdose, Steckdosenleiste auf „Ein“ und los geht’s. Denkste. Sofort leuchtet am Booster die rote LED die unmissverständlich signalisiert, dass irgendwo ein Kurzschluss vorhanden sein muss. Hmm, was ist passiert, wo ist der Fehler? Da ich ja sorgfältig gearbeitet und keine Fehler gemacht habe, muss also eines der Selbstbaumodule Fehlerhaft sein, vermutlich die Kehrschleifenschaltung. Also das Segment, auf welchem das Kehrschleifenmodul sitzt, von den anderen beiden trennen und Strom wieder einschalten – alles gut, der Fehler ist tatsächlich verschwunden. Somit ist das Kehrschleifenmodul zweifelsfrei als Fehlerquelle identifiziert, schließlich machen ja nur die anderen Fehler, ich nicht. Dumm ist nur, dass der Booster auch mit abgeklemmtem Kehrschleifenmodul einen Kurzschluss anzeigt. Wie kann das, sonst ist (noch) keine weitere Platine in diesem Segment verbaut… Nach ausgiebigen Messungen findet sich plötzlich eine Weiche, bei der die Trennstellen zum polarisierten Herzstück auf wundersame Weise wieder zusammengewachsen sind. Nach dem erneuten Auftrennen ist der Kurzschluss auch weg. Da muss sich doch tatsächlich jemand in mein Labor geschlichen, und eine Weiche ausgetauscht haben.
Also das Kehrschleifenmodul wieder mühsam anklemmen (ich hasse kleine Schraubklemmen wenn ich über Kopf arbeiten muss!) Strom anschließen und… alles gut! Kein Kurzschluss, alles so wie es soll. Der ideale Zeitpunkt für die erste Fahrt. Diese endet leider aber direkt am ersten Schaltabschnitt des Kehrschleifenmoduls, die Lok steht, dafür bewegt sich das Umschaltrelais umso mehr: man hört ein regelmäßiges hin- und herschalten. D. h. wieder einmal abtauchen und den Fehler suchen. Da eine fehlerhafte Verdrahtung ja ausgeschlossen werden kann (so was passiert nur den anderen), muss der Fehler an der Kehrschleifenschaltung liegen. Der Fehler des Herstellers ist auch schnell gefunden: Im Schaltabschnitt liegen nur gut 2,8V an, während in den anderen beiden Abschnitten 16V anliegen, das kann auf keinen Fall richtig sein, schließlich bin ich als Modellbahner der E-Technik Guru und unschuldig, ich mache keine Fehler! Also ab ins WWW und eine Email mit der Problembeschreibung an den Hersteller versenden. Zwar steht auf seiner Homepage der Fehler mit dem hin- und herschaltenden Relais als Problem bei nicht richtig isolierten Schaltabschnitten beschrieben, aber von den 2,8 steht da nix, also muss das Modul kaputt sein. Wenn der Kerl wüsste, wie sehr mir sein doofes, defektes Modul den Sonntag versaut hat!

Heute kam die Antwort per Mail, dass die 2,8V richtig sind, und, wenn die Isolierungen OK sind, die Verdrahtung fehlerhaft sein muss…

Ich glaube, ich muss mich an dieser Stelle einmal bei allen entschuldigen, bei denen am Sonntag die Ohren geklingelt haben müssen, weil ich so sehr über ihre vermeintlichen Fehler geschimpft habe.

15.10.07
Alter: 11 Jahr(e)