Alternativtext
Selbstbau-Kompressor   

Mit dem Erwerb einer Spritzpistole ist zwangsläufig auch das Auseinandersetzen mit dem Thema „Woher nehme ich die Druckluft“ angesagt. Logischerweise ist das einzige, was wirklich Sinn macht ein Kompressor. Wenn man sich nun zu diesem Thema durch diverse Foren und Homepages liest, wird man immer wieder auf die Aussage treffen, dass Baumarkt-Kompressoren zwar geeignet, aber deutlich zu laut sind, während die Billigkompressoren, die man häufig auf den Seiten von 3-2-1 meins findet, eine eher kurze Lebenserwartung haben. Also muss ein guter Kompressor her. Was klassifiziert aber einen „guten“ Kompressor?

Pflichtenheft

Nach stundenlangem rumstromern auf/in einschlägigen Homepages/Internetforen hat sich folgendes herauskristallisiert:

  • Der Kompressor muss leise sein, schließlich will ich nicht mit Gehörschutz im Hobbykeller sitzen
  • Der Kompressor muss einen gleichmäßigen Luftstrom abgeben
  • Es müssen Wasser/Ölabscheider vorhanden sein
  • Der Kompressor soll möglichst lange halten
  • Er muss handlich sein

So, und nun? Die einschlägigen Kompressoren, die diese Anforderungen erfüllen fangen ungefähr bei 200 Euro an – was mir  (wieder einmal) deutlich zuviel Geld war. Also Selberbauen. Im Internet kursieren diverse Selbstbauanleitungen, die im Wesentlichen in zwei Kategorien eingeteilt sind:

  1. Umbau eines (lauten) Baumarktkompressors
  2. Kompletter Selbstbau


Der Umbau eines Baumarktkompressors beschränkt sich darauf, dass der laute Kompressor vom Tank abgebaut, und ein oder mehrere leise Kühlschrankkompressoren (abhängig von der benötigten Luftmenge) angebaut werden. Die gesamten Apparaturen können weiter verwendet werden. Wenn man davon ausgeht, dass man einen Baumarktkompressor für gut 80 Euro bekommt, dürften die Gesamtkosten unter 100 Euro bleiben.

Beim kompletten Selbstbau werden alle Komponenten einzeln beschafft und zusammengebaut, Ziel ist es natürlich, das ganze noch günstiger zu realisieren als den Umbau  eines Baumarktkompressors.

Als Basis für den Umbau habe ich eine Anleitung des Airbrushstudios München verwendet, in dieser ist auch eine anschauliche Zeichnung enthalten.

Materialbedarf

  1. Kompressor(en), abhängig von der Benötigten Luftmenge (die wiederum vom Durchmesser der Düse abhängt)
  2. Druckbehälter
  3. Druckschalter
  4. Manometer mit Wasserabscheider
  5. Überdruckventil
  6. Rückschlagventil
  7. Diverses Kleinmaterial für die Leitungen

Kompressor

In den diversen Anleitungen im Internet werden die örtlichen Recyclinghöfe oder Schrotthändler als Bezugsquelle  für Kühlschrankkompressoren genannt, jedoch musste ich feststellen, dass man auf Recyclinghöfen zwar Kühlschränke annimmt, diese dann aber gesammelt an eine Spezialfirma weitergibt, und auf Schrottplätzen grade der Kompressor mit dem Enthaltenen Kupfer das ist, worauf die Händler „scharf“ sind – eigentlich entsorgen Schrottfirmen aus Gründen des Umweltschutzes aber keine Kompressoren. Woher also den Kompressor nehmen? Entweder, man findet die Adresse einer Entsorgungsfirma für Kühlschränke heraus (auf dem Recyclinghof mal fragen, wohin die Kühlschränke gegeben werden), oder man hat Glück, und ersteigert sich einen alten Kompressor – Kostenpunkt 1-5 Euro zuzüglich Versand.
Nun hat man irgendwann den Kompressor vor sich liegen und fängt erstmal an zu grübeln, wofür die ganzen Kabel sind bzw. an welcher Stelle später der Druckschalter angeschlossen werden muss. Bei dem für diesen Umbau verwendeten Kompressor war eine „Verteilerdose“ enthalten, in der offensichtlich die gesamte Elektronik zusammenlief, also auch die Kabel zur Steuerung der Beleuchtung. Diese können alle entfernt werden, das einzige, was bleiben muss ist der Anschluss des Thermostats, welcher später an den Druckschalter angeschlossen wird sowie der Kondensator, der eine Phasenverschiebung zum starten des Motors erzeugt.

Druckbehälter

Als Druckbehälter kommen im Endeffekt alle Druckbehälter in Frage. Ich habe die Möglichkeit gehabt, einen alten Feuerlöscher mitsamt Überwurfmutter umsonst zu bekommen. Dieser Löscher hat ein Volumen von 6 Litern und eine Öffnung von 70mm, sodass auf einer Metallplatte, mit der der Löscher verschlossen wird, sämtliche Armaturen angebaut werden können. Da die Platte ein Einzelteil ist, muss man so nicht in den Korpus des Löschers bohren, sondern nur in eine glatte Platte.

Druckdifferenzschalter

Druckdifferenzschalter findet man recht gut bei eBay, Kostenpunkt zwischen 10 und 20 Euro.
Bei den recht häufig angebotenen Typen sind die Anschlüsse meistens ¼“ Gewinde, allerdings gibt es auch Ausführungen, die unterschiedliche Anschlüsse haben – vor dem Kauf also darauf achten, sonst könnte das gleiche passieren wie bei mir, und man muss erstmal herausfinden, was man für eine Anschlussart vor sich hat…!
Der Druckdifferenzschalter wird anstelle des Thermostaten später den Kompressor Ein- und Ausschalten, die entsprechenden Drücke sollten einstellbar sein.

Druckregler / Ölabscheider

Das Regelventil wird gebraucht, um den Druck aus dem  „Kompressorsystem“ auf einen Airbrushtauglichen Druck zu reduzieren. Zeitgleich wird die Luft von Kondensat und Öl-/ Schmutzpartikeln gereinigt. Auch diese Regelnventile gibt es mit ein wenig Glück günstig bei 3-2-1 meins.

Überdruckventil / Rückschlagventil

Das Rückschlagventil dient dazu zu verhindern, dass der Druck aus dem Druckbehälter ggf. durch den Kompressor entweichen kann (wenn dieser nicht läuft) bzw. damit der Kompressor nicht gegen den Rechdruck anlaufen muss (siehe auch Druckentlastungsleitung), das Überdruckventil logischer Weise der Sicherheit.

Kleinzeug

Diverse Gewinde um die einzelnen Komponenten miteinander zu verbinden. Für die eigentliche Verbindungen kann man entweder Kupferrohr oder verstärke Schläuche nehmen. Ich habe mich für die Variante mit Schläuchen entschieden.  Bezugsquelle für die Materialien: http://www.pneumatik-welt.de, allerdings mit einem Mindestbestellwert von 50 Euro.

Zusammenbau

Als Trägerplatte baut man sich am besten eine Konstruktion aus Holz, die es ermöglicht, die Einzelteile darauf zu befestigen und die gesamte Konstruktion zu tragen. Kompressor und Löscher werden so angebracht, dass für die Leitungen und Armaturen noch ausreichend Platz ist, anschließend werden die Leitungen nach Plan verlegt.  Der einzige Anschluss, der nicht per Gewinde realisiert werden kann ist der Anschluss an den Kompressor. Der Ausgang des Kompressors muss so dick sein, dass der Schlauch stramm aufgesteckt und per Klemme befestigt werden kann.

Wenn alle Anschlüsse hergestellt sind, sollte das ganze System auf Dichtigkeit und Belastbarkeit getestet sowie die Drücke eingestellt werden, bei denen der Druckschalter den Kompressor ein- bzw. ausschaltet. Damit der Tank im Falle eines Falles nicht explodieren kann, wird er zum testen mit Wasser gefüllt. Wasser lässt sich nicht komprimieren, sodass es im Zweifelsfall höchstens nasse Füße gibt. Ist das System dicht und hält den Druck aus, kann das Wasser wieder aus dem Tank – fertig ist der selbstgebaute Kompressor.