Alternativtext
Weichen von Weller  

Als Ergänzung zu den Gleissystemen der einschlägigen Hersteller bietet G.Weller diverse Schwellenroste – darunter auch nicht alltägliche Ausführungen – für den Selbstbau von Weichen an. Im Gegensatz zu den Weichen der diversen Großserienhersteller endet die Krümmung des abzeigenden Strangs am Herzstück und der Rost verfügt über Doppelschwellen. Als Profil eignet sich sowohl das Elite Profil von Tillig, aber auch das Peco Code75 Profil verfügt über einen passenden Schienenfuß.

Material

Mit Sicherheit lassen sich mit entsprechendem Maschinellem Equipment aus den Rosten nahezu perfekte Weichen bauen, aber auch mit recht einfachen Mitteln können hervorragende Weichen entstehen. Ich verwende folgendes Werkzeug zur Herstellung der Weichen (wobei es mit Sicherheit noch andere Mittel und Wege gibt als die hier vorgestellten):

 

 

  • Scheuermilch, Zahnbürste
  • Sekundenkleber, 2k Kleber
  • Filzstift (Fineliner)
  • Dremel mit Trenn- und Schleifscheibe
  • Schleifbock
  • Feile
  • 4-Fach Nagel-Reparaturfeile
  • Herzstücklehre (Weller)
  • 1:1 Konstruktionszeichnung von Weller (einfacher Papierausdruck)
  • Optional: Fräsmaschine oder Tellerschleifer, Lötkolben

Vorbehandlung Schwellenrost

Als erstes sollten die (eventuell vorhandenen) Schwimmhäute zwischen den Schwellen entfernt werden. Dazu wird Schleifpapier auf eine plane Unterlage aufgezogen und der gesamte Schwellenrost vorsichtig solange geschliffen, bis die Schwimmhäute von alleine herausfallen und die Unebenheiten beseitigt sind. Im Anschluss daran sollte das gesamte Gussteil vorsichtig mit Scheuermilch und einer (Zahn)Bürste von Silikonöl (bei der Herstellung zur Formtrennung benötigt) und Schleifstaub gereinigt werden.

Außenschienen

Der eigentliche Bau der Weiche beginnt mit den Außenschienen, um den Schwellenrost möglichst schnell zu stabilisieren. Dazu werden die beiden Profile entsprechend der 1:1 Konstruktionszeichnung abgelängt (etwas länger schadet auch nicht) und mit einem Filzstift der Bereich angezeichnet, in dem der Schienenfuß zu entfernen ist. Das Entfernen geschieht am Schleifbock, indem der markierte Bereich immer wieder vorsichtig an der rotierenden Schleifscheibe vorbeigezogen wird (darauf achten, dass der Schienekopf nichts abbekommt) oder mit Hilfe einer Fräsmaschine! Das Profil für das durchgehende Gleis ist damit fertig, das Profil für das abzweigende Gleis muss im Anschluss per Hand so gebogen werden, dass es ohne größere Spannung in die Schienenfüße passt. An dieser Stelle der Hinweis, dass es zwar theoretisch möglich ist, das Profil auch nicht vorgebogen einzubauen, allerdings soll das unter Umständen (insbesondere bei Weichen mit einem flacheren Winkel und demzufolge einer größeren Länge) dazu führen, dass sich die Schwellenbänder verziehen!

Über die Frage, ob an dieser Stelle am besten mit dem Bau der Zungen oder dem Bau des Herzstücks fortzufahren ist, lässt sich mit Sicherheit vortrefflich streiten. Folgende Überlegungen lassen die Reihenfolge Zunge - Herzstück jedoch sinnvoll erscheinen: Die Zungen werden genau nach den gegebenen Maßen abgeschliffen beziehungsweise gebogen. Wie auch bei den Außenschienen, sollten sie ohne Spannung in den Schienenfüßen liegen und der Ansatzpunkt lässt sich ziemlich genau bestimmen. Somit sind hier nur wenige Faktoren zu befürchten, die zu Ungenauigkeiten führen können. Beim Herzstück hingegen lässt sich die genaue Lage der Hauptspitze ohne Bezugspunkt nicht sonderlich gut bestimmten. Liegt jedoch bereits die Weichenzunge, kann mit dem Auge überprüft werden, ob die Schienenköpfe genau fluchten und dies ggf. vor dem Kleben durch einfaches Verschieben des kurzen Schienenstücks korrigiert werden – Müsste jedes Mal die bereits gebogene Zunge korrigiert werden, wäre der Spaß am Bau der Weichen vermutlich von eher kurzer Dauer.
Also weiter mit den Zungenschienen…

Zungenschienen

Die Zungenschienen sind entsprechend der aus den Zeichnungen hervorgehenden Maße abzulängen und der Schienenfuß analog zu den Außenschienen zu entfernen.  Der spitz zulaufende Teil der Weichenzunge wird vorsichtig am Schleifbock zurecht geschliffen. Um zu verhindern, dass sich der schmale verbleibende Teil verbiegt, kann man an die nicht zu behandelnden Seite beispielsweise ein Feile zur Stabilisierung anhalten.
Vor dem Einkleben der Zungen sollte klar sein, wie die Verbindung zwischen Stellschwelle und Zunge aussehen soll. Die entsprechenden Arbeiten lassen sich bei eingeklebter Zunge selten im nachhinein vernünftig durchführen. Denkbar sind hier Varianten wie sie z.B. in MIBA 2/2006, ab Seite 58 beschrieben sind oder das einfache anlöten von Messingdraht, womit „normale“ Stellschwellen verwendet werden können. Ich habe mich für zwei verschiedene Bauformen entschieden und zwar abhängig davon, ob es sich um eine ortgestellte Weiche oder eine Ferngestellte Weiche handelt. Der Bau dieser Stellschwellen ist wieder auf einer eigenen Seite zu finden.

Herzstück

Das Herzstück entsteht wie beim Vorbild aus Haupt- und Beispitze. Die Hauptspitze entspricht dem Strang des Durchgehenden geraden Gleises, die Beispitze demzufolge dem abzweigenden Strang. Auch hier werden die Profile entsprechend der 1:1-Zeichnung abgelängt (und auch hier schadet etwas länger nicht), in die Lehre gelegt, der Winkel angezeichnet und das Profil ungefähr im angezeichneten Winkel mit einer Trennscheibe durchtrennt. Der Feinschliff am Schleifbock erfolgt unter ständigem Vergleich mit der Papier- oder Schleiflehre  solange, bis die Winkel übereinstimmen. Das Vorgehen ist bei Haupt- und Beispitze identisch, jedoch wird der Winkel der Beispitze nicht an der Papierlehre abgeglichen, sondern direkt durch Passkontrolle auf dem Weichenrost – vorher sollte man allerdings den Schienenfuß der Hauptspitze im betroffenen Bereich entfernen.
An dieser Stelle stellt man fest, dass sich die Maßangaben in den Konstruktionszeichnungen von Herrn Weller darauf beziehen, dass der durch den Schleif- oder Fräsvorgang im Bereich des Winkels entfallene Schienenfuß mit berechnet wird. Dies mag unter erheblichem Aufwand vielleicht mit einer Feile möglich sein, ein wirklich vernünftiges Verhältnis von zeitlichem Aufwand zum Ergebnis erreicht man jedoch wohl nur durch den Einsatz einer Fräse – und wirklich erkennen, dass der Schienenfuß in der Herzstückspitze fehlt, tun wahrscheinlich auch nur die Hobbykollegen, die eh alles und jeden kritisieren, von denen man aber nur in den seltensten Fällen selbst ein Werk zu Gesicht bekommt. Insofern ist an dieser Stelle ein wenig Pi x Daumen angesagt. Hat man wie oben empfohlen die Profile für das Herzstück ein wenig länger gelassen, kann man das Herzstück gut mit einer visuellen Kontrolle (fluchten Herzstückspitze und Weichenzunge) einpassen.

Rillenmaße

Der Abstand zwischen Flügelschiene und Herzstück bzw. Radlenker und Seitenschiene sollte für Radsätze nach NEM bei 1,3mm Liegen. Für Radsätze nach RP25, RP25/88 oder P87 kann das Spaltmaß natürlich geringer sein, wobei der Knick der Zungenschienen dann auch leicht in Richtung der Herzstückspitze wandern muss. Wichtig ist weiter der Abstand der Innenseiten der Radlenker/Flügelschienen zueinander: Überschreitet dieser die NEM (14,3mm), kann es sein, dass Fahrzeuge auflaufen. Hier ist anzumerken, dass sich viele Hersteller (auch vermeintlich solche, die technisch eher dem oberen Segment zugeordnet werden) nicht an die Norm halten, und der Innenabstand der Räder teilweise deutlich unter diesen 14,3mm liegt. Hier ist dann ggf. nachzuarbeiten, sprich der Abstand der Räder anzupassen.

Links

Ergänzend zu den Worten dieser Seite möchte ich noch auf eine Videoreihe von Andreas Lange aufmerksam machen. Er hat den Bau einer Wellerweiche in insgesamt 10 Abschnitten mit Videos dokumentiert, diese Videos sind bei Youtube unter dem Suchbegriff "Wellerweiche" zu finden