Alternativtext
Dapol Reinigungswagen  

Erster Eindruck

Der Wagen wird unspektakulär verpackt geliefert. In der Verpackung befindet sich der eigentliche Wagen, je 3 Schleif- und Polierscheiben, ein Einsatz zum Saugen, die Anleitung, eine Schienenbürste sowie ein Spezialwerkzeug zum Wechseln der Einsätze. Auffällig ist, dass der Wagen mit RP25-Radsätzen ausgestattet und rund 55mm von der Schienenoberkante aus gemessen hoch ist und damit so eben noch innerhalb der NEM (57mm) liegt. Das Modell verfügt über NEM-Kupplungsschächte die nicht Kulissengeführt, sondern am Drehgestell angespritzt sind, das Drehgestell selbst hat seinen Drehpunkt nicht mittig, sondern zur Wagenmitte hin verlagert. Weiterhin dienen an beiden Drehgestellen alle Räder zur Stromabnahme für die Bordelektronik (die Achsspitzen sind in Messingbuchsen gelagert), die Verbindung zum Chassis wird über Federn hergestellt.

Die Einsätze zum Polieren und Schleifen bestehen aus drei Einzelteilen: Dem Schleifteller, einer Feder und einem weiteren Kunststoffteil, welches auf der Antriebswelle sitzt. Durch die Feder wird der Schleifeinsatz immer mit einem bestimmten Druck auf die Schienen gedrückt, allerdings kann es bedingt durch diese Konstruktion  auch dazu kommen, dass sich die Teile beim abziehen von der Antriebswelle voneinander lösen – anschließend aber auch wieder zusammen gebaut werden können. Die Einsätze (auch der Saugeinsatz) werden einfach auf die Welle aufgesteckt, zum abziehen des Saugeinsatzes muss das dem Modell beiliegende  Spezialwerkzeug benutzt werden.

Der Einfüllstutzen für die Reinigungsflüssigkeit sitzt auf der Oberseite des Modells neben dem Drehschalter, über den die Leistung des Motors im Analogbetrieb eingestellt werden kann. Ein kleiner Gummistöpsel verschließt die Öffnung, für die Gummidichtung liegt eine Ersatzdichtung in der Verpackung. Das Volumen des Behälters beträgt gut 5 ml, die Flüssigkeit (von Dapol wird keine bestimmte empfohlen) gelangt durch ein kleines Loch auf dem Boden des Behälters in den Schwamm. Damit dies nicht zu schnell geschieht, befindet sich in der Kammer ein Messingdrehteil, welches lose auf dem Boden und somit auf dem Loch liegt und die Durchflussmenge begrenzt. In 20 Minuten rinnen ca. 4 ml durch diese Konstruktion…

Maße:
Höhe: 55mm
Breite: 35mm
Länge: 204mm
Gewicht: 182g

Inbetriebnahme

Bevor der Wagen seinen Dienst auf einer Digitalanlage aufnehmen kann, muss er mit einem beliebigen Decoder ausgerüstet werden (der Wagen verfügt über eine 8-polige Schnittstelle nach NEM 652). Die Anleitung dazu ist eingängig, der Einbau als solches alles andere als kompliziert oder schwer: Ein Drehgestell abschrauben, zwei darunter liegende Schrauben lösen und der Zugang zur Schnittstelle ist frei. Da ausreichend Platz vorhanden ist, muss man die Drähte nicht kürzen, sondern kann den Decoder (so er denn über einen NEM-Stecker verfügt) einfach einstecken – fertig. Der Antrieb der Schleif- oder Saugeinrichtung kann nun über die Adresse des Decoders angesprochen, und die Drehzahl wie die Geschwindigkeit einer Lok geregelt werden. Nachdem eine ausreichend starke Lok angekuppelt hat, kann die Reise losgehen…

Reinigungsoptionen & Reinigungsleistung

  • Schleifen

    Dapol empfiehlt den Einsatz der Schleifscheibe ausdrücklich nur bei sehr stark verschmutzten Gleisen. Die Oberfläche der Schleifscheibe  fühlt sich an wie sehr feines Schleifpapier (schätzungsweise mit einer Körnung um die 1000), entsprechend ist die Reinigungsleistung.
    Als Beispiel: Ein Gleis meines Schattenbahnhofs war aufgrund eines defekten Weichenantriebs lange nicht in Betrieb und entsprechend stark verschmutzt: Selbst vierachsige Loks kamen nicht bis zur Halteposition, sondern vorher aufgrund von Kontaktproblemem zum stehen. Einige  Durchgänge mit dem Dapol-Wagen im Schleifbetrieb haben das Problem beseitig, weshalb ich ihm eine ordentliche Reinigungsleistung im Schleifbetrieb bescheinigen möchte.

  • (Nass)Polieren

    Zum Polieren bzw. Nasspolieren  wird ein Schleifteller mit einem Stoffbezug eingesetzt und ggf. die „Nasszelle“ mit Reinigungsflüssigkeit gefüllt. Diese wird durch den vor dem Polierteller sitzenden Schwamm auf die Schienen aufgebracht, weshalb Fahrtrichtungsabhängig entweder ein Nasspolieren stattfindet oder einfach nur hinterher gewischt wird.

    Hinweis:
    Sowohl im Schleif- als auch im Polierbetrieb sollte die Drehzahl begrenz werden, da die Scheibe sonst nicht flächig aufliegt.

  • Saugen

    Der Saugeinsatz erzeugt einen Luftwirbel und saugt durch diesen zwischen den Gleisen liegende Teil ein. Konstruktionsbedingt ist die Größe dieser Teile beschränkt, Staub und kleinere Teile landen problemlos im Auffangbehälter, bei größeren Teilen ist es ein wenig Glückssache, ob sie zufällig genau durch die Öffnungen des Saugeinsatzes passen, große Teile werden definitiv nicht eingesagt, machen aber mit einem Klacken (beim Zusammenprall mit dem Saugeinsatz) auf sich aufmerksam.

Grundsätzlich nimmt der Wagen alles übel, was zwischen den Schienen fest verbaut ist und über die Schienenoberkante hinaus ragt: Märklin-Punktkontakte im Bereich von Weichen und Kreuzungen, zu lange Stelldrähte sind der Lebensdauer der Schleif- und Poliereinsätze nicht unbedingt förderlich, im Saugbetrieb kann das Modell am Schwamm hängen bleiben.

Um die Kontaktsicherheit zu erhöhen, können in den Auffangbehälter des Wagens zusätzliche Bleigewichte gelegt werden.

Fazit

Da mir keiner der anderen Reinigungswagen zur Verfügung steht, kann ich die Leistung nur rein subjektiv beurteilen! Die Schleifleistung erscheint mir auf alle Fälle ausreichend, allerdings hoffe ich, den „groben“ Schleifeinsatz nicht allzu häufig einsetzen zu müssen. Da der Wagen immer nur eine Funktion ausführen kann (bei mir hauptsächlich saugen), wird der Reinigungszug bei nächster Gelegenheit um einen Wagen mit Noch-Reinigungszwergen und dem berüchtigten Liliput-Reinigungswagen (oder einem Nachbau) ergänzt. Damit sollte eine vernünftige Pflege der Gleise möglich sein.