Alternativtext
Loks für den Anlageneinsatz vorbereiten  

Einleitung

Sowohl für die Steuerung per TrainController als auch für die Handsteuerung sollten die Lokomotiven bzw. Triebwagen  über die Konfigurationsvariablen (CV) der eingebauten Decoder optimal an den Anlageneinsatz angepasst werden. Zwar können die meisten Fahrzeuge auch ohne weitere Konfigurationsarbeiten an den Decodern halbwegs vernünftig gesteuert werden. Ein wenig zeitlicher Aufwand zum Einstellen einiger zusätzlicher Decoderwerte erlaubt jedoch eine noch feinere Steuerung der Fahrzeuge. Grundlegende Hardwarevoraussetzung dafür ist der Einsatz von Lastgeregelten Decodern (gibt es eigentlich noch Decoder ohne Lastregelung?), da nur diese eine zuverlässige Arbeit der Einstellungen gewährleisten. Eine Lok, deren Anfahrspannung ohne Wagen bestimmt wird, wird sich ggf. bei einem Decoder ohne Lastregelung mit angehängter Wagenlast erst gar nicht in Bewegung setzen – darüber, inwieweit die eingestellte Höchstgeschwindigkeit erreicht und in Steigungen gehalten wird, braucht man an dieser Stelle gar nicht weiter nachzudenken…

Ich habe die CV-Werte relativ lange mit dem Handregler LH100 von Lenz in die Decoder programmiert, irgendwann jedoch auf die Software Öffnet externen Link in neuem FensterTrainProgrammer von Herrn Freiwald umgesattelt. Insbesondere den Komfort der graphischen Benutzeroberfläche möchte ich nicht mehr missen, nicht nur in Bezug auf die Geschwindigkeitskennlinie, sondern auch für die anderen Optionen, die ja eher mehr als weniger werden. Auch das unkomplizierte Sichern und Rückspielen der einzelnen Decoderkonfigurationen ist ein angenehmes Feature, wenn z.B. mal die Decodersoftware ein Update bekommt oder einige Werte experimentell verändert werden.

Ganz grundsätzlich noch drei Statements zu dem im folgenden Geschriebenen:

  1. Es gibt immer einen besseren Weg
  2. Irren ist menschlich
  3. Das hier Geschriebene kann und will das Handbuch von TrainController und TrainProgrammer nicht ersetzen, höchstens ergänzen

Abgesehen von der Adresse passe ich bei mir folgende Decoderwerte an das jeweilige Fahrzeug an:

•    Anfahrspannung
•    Höchstgeschwindigkeit
•    Geschwindigkeitskennlinie
•    Anfahrverzögerung
•    Bremsverzögerung

Für die Softwaresteuerung kommen folgende Parameter in Traincontroller hinzu:

•    Kriechgeschwindigkeit
•    Geschwindigkeitsprofil
•    Kontaktpunkt
•    Bremsausgleich

Datensatz anlegen

Da sich viele der folgenden Einstellungen am einfachsten durchführen lassen, wenn man die Werte für die CV via TrainController bestimmen und TrainProgrammer programmieren kann, benötigen beide Programme einen Datensatz mit den Informationen des jeweiligen Decoders bzw. der Lok, in der dieser verbaut ist, sowie einige weitere Informationen:

TrainProgrammer

TrainProgrammer benötigt im ersten Ansatz nur wenige Daten: Hersteller des Decoders, welcher Decoder verbaut ist nebst dem Decodertyp, um die entsprechenden CV anzuzeigen, und optional einen Namen mit Piktogramm der Lok. Im hier behandelten Beispiel eine V160 von Brawa mit original Motor und Zimo MX64D.

Die zu sehende Vorlage für Zimo MX63/64 Decoder gibt es auf der Seite http://digilok.de/download.htm. Sie muss nach dem Download in den TrainProgrammer importiert werden:

Die weiteren Einstellungen werden im weiteren Verlauf genau beschrieben und ergänzt.

TrainController

In Traincontroller wird einfach im Editiermodus über das Menü "Zug" eine neue Lok angelegt. Diese erscheint sofort in der Liste und kann nach einem Doppelklick mit Daten hinterlegt werden; hier wird wieder die bereits oben benannte V160 verwendet. Die Daten der Lok können direkt komplett ausgefüllt werden. Im aktuellen Beispiel sehen diese wie folgt aus:

Höchstgeschwindigkeit:    120 km/h
Leistung:    1400 kW
Länge18,9 cm
Gewicht0 t¹
Adresse216
FunktionenF0 (Licht)
TypDiesel
Tank3500l

¹Dass das Feld mit den Gewichtsangaben der Lok leer bleibt, ist gewollt! Sobald dieses Feld ausgefüllt wird, simuliert TC beim fahren nicht mehr automatisch einen durchschnittlichen Zug, sondern berechnet Beschleunigung und abbremsen nur mit dem Gewicht der Lok - was ohne weitere Konfigurationsarbeit zum Teil zu unschönem Fahrverhalten führt.

 
 

Anfahrspannung

Üblicherweise kann in DCC-Decodern in der CV 3 eingestellt werden, welche Spannung der Decoder bei Fahrstufe 1 an den Motor anlegt (bei Verwendung der freien Kennlinie in CV 67). Damit das Modell aus einer möglichst geringen Geschwindigkeit in den Stand übergeht und sich langsam in Bewegung setzt, sollte hier nachjustiert werden. Der Wert ist so einzustellen,  dass sich das Fahrzeug grade eben ruckelfrei in Bewegung setzt. Ist er zu hoch, wird das Modell aus einer unnötig hohen Geschwindigkeit plötzlich abbremsen oder ruckartig beschleunigen.

Höchstgeschwindigkeit

Der Aufwand zum korrekten Einstellen der Höchstgeschwindigkeit ist etwas größer, da die Geschwindigkeit des Modells gemessen und umgerechnet werden muss. Theoretisch stehen  hierzu mehrere Möglichkeiten zur Auswahl, von denen mir die meisten entweder zu teuer (Messwagen mit Tachometer) oder zu aufwändig und ungenau (manuelles Messen mit Stoppuhr) sind. Als praktischste Lösung hat sich TrainController herausgestellt: Die Software ist sowieso vorhanden und eine passende Funktion zum Ermitteln der Höchstgeschwindigkeit enthalten: Im Geschwindigkeitsprofil der aktuell bearbeiteten Lok (unter "erweitertes Fein-Tuning", siehe hier) kann neben der Messung des gesamten Geschwindigkeitsprofils (dem sog. „Einmessen“, siehe hier) auch die Messung einer einzelnen Fahrstufe erfolgen – einfach aus der Dropdown-Liste "Messung" den zu den verwendeten Meldern passenden Eintrag "Automatische Messung eine einzelnen Geschwindigkeitsstufe" auswählen, die benutzten Melder eintragen, den Geschwindigkeitsregler am oberen Rand auf die höchste Fahrstufe einstellen und auf „Start“ klicken. Das Fahrzeug sollte sich nun in Bewegung setzen und den Messblock mit maximaler Geschwindigkeit durchqueren (so es genug Strecke zum Beschleunigen hatte). Nach der Durchquerung des Blocks wird die umgerechnete Geschwindigkeit am Bildschirm angezeigt und das Modell wieder angehalten…Abhängig vom Ergebnis wird der Wert in CV 94 nun erhöht oder verringert und die Messung wiederholt – so lange, bis die gewünschte Geschwindigkeit korrekt eingestellt ist. Sofern man neben der Lizenz für TrainController auch über eine Lizenz des Trainprogrammers besitzt, lassen sich die CV-Änderungen direkt aus TrainController heraus korrigieren. Auch für die vorangegangenen und folgenden Punkte sei bemerkt, dass der Bedienkomfort einer Software ungleich höher ist als das mühsame Einhacken von CV-Werten in den Handregler und sich die Anschaffung eines entsprechenden Programms ggf. lohnen könnte...

Geschw. Kennlinie

Durch den Einsatz der freien Geschwindigkeitskennlinie ist es möglich, die 28 Fahrstufen so einzustellen, dass im unteren Geschwindigkeitsbereich viele Fahrstufen liegen, während es im oberen Bereich nur wenige sind. Dadurch kann im niedrigen Geschwindigkeitsbereich sehr feinfühlig gefahren werden, während es bei höheren Geschwindigkeiten (für mich) nicht darauf ankommt, ob das Modell 80 oder 85 Km/h fährt. Ausgehend von den Überlegungen auf der Seite http://www.dcc-mueller.de/decoder/speedtab.htm  habe ich mir bis zum Umsatteln auf die Programmiersoftware eine Excel-Tabelle gebaut, die die vorgeschlagene Umsetzung (2/3 der Fahrstufen im unteren Geschwindigkeitsbereich, 1/3 im oberen) automatisch umsetzt. In die roten Felder kommen die für CV 67 und 94 gültigen Werte, die Zwischenwerte berechnet das Datenblatt automatisch. Gibt es zufällig noch die umgerechneten Km/h-Werte, kommen diese in die rot umrandeten Felder der Km/h-Spalte und das Datenblatt errechnet die geschätzte Geschwindigkeit pro Fahrstufe – wobei die Betonung an diese Stelle auf der „geschätzten Geschwindigkeit“ liegt und nicht auf „errechnet“ ;)

Bei der Programmierung mit Trainprogrammer werden einfach die ermittelten Werte für die niedrigste und höchste Geschwindigkeit an die richtigen Stellen des Verzeichnisbaums für die Kennlinie eingetragen, nach einem Klick auf eine der frei Schaltflächen am unteren Rand des Kennlinienfensters (siehe Bild) erzeugt das Programm die freie Kennlinie automatisch. Der Verlauf kann mit den Schaltflächen durch mehrfaches klicken weiter angepasst werden.

Sobald die Werte per Software oder manuell in den Decoder programmiert sind, fehlen als letztes noch Anfahr- und Bremsverzögerung.

Anfahr- und Bremsverzögerung

Diese beiden Parameter dienen dazu, sprunghafte Geschwindigkeitsänderungen beim Fahrstufenwechsel zu kompensieren. Die Werte werden im Idealfall so eingestellt, dass der Übergang zwischen den Fahrstufen als fließender Übergang wahrgenommen wird. Da die Geschwindigkeitsänderung durch die freie Kennlinie jedoch nicht linear ist, sondern von Fahrstufe zu Fahrstufe unterschiedlich sein kann, gibt es für diesen Anwendungsfall nicht den einen Wert: Wird der Wert an den unteren Fahrstufen ausgerichtet, wird es in den oberen Fahrstufen wieder zu sprunghaften Geschwindigkeitsveränderungen kommen, wird er an den oberen Werten ausgerichtet, ist die Verzögerung für die geringen Unterschiede im unteren Geschwindigkeitsbereich zu groß und die Fahrzeuge reagieren erst mit deutlicher Verzögerung...

Traincontroller

Spezielle Einstellungen für die Steuerung mit Traincontroller

Die hier gezeigten Einstellungen finden sich innerhalb der Lokeigenschaften unter "Automatikbetrieb" / "Erweitertes Fine-Tuning" und sind keine Einstellungen am Decoder selbst:

Kriechgeschwindigkeit

Die Kriechgeschwindigkeit benötigt TrainController, um abgebremste Loks (Züge) bis zum Erreichen der Haltemarkierung weiter zu fahren. Da dies nicht nur im Schattenbahnhof, sondern auch im sichtbaren Bereich der Fall ist, sollte sie so eingestellt sein, dass die Lok aus einer möglichst langsamen Geschwindigkeit in den Stand übergeht (ähnlich wie die CV für die niedrigste Geschwindigkeitsstufe des Decoders). Wenn sie auf der anderen Seite aber zu niedrig ist und die Lok nicht gleichmäßig fährt oder sogar stehen bleibt, ist ein punktgenaues Anhalten natürlich nicht möglich. Im ersten Ansatz scheint die Kriechgeschwindigkeit mit Fahrstufe "1" identisch zu sein, die Praxis zeigt jedoch, dass die Kriechgeschwindigkeit höher gewählt werden sollte: Egal wie sauber Gleise und Lokräder sind, manchmal tendieren die verflixten Dinger auf "längeren" Strecken in der untersten Fahrstufe einfach dazu stehen zu bleiben, während das Anfahren mit dieser Geschwindigkeit kein Problem darstellt (zumindest bei mir!). Bei manueller Steuerung kein Problem, da man das in der Regel sofort registriert, im Automatikbetrieb aber eine unbedingt zu vermeidende Situation. Als grobe Orientierung zeigt die folgende Tabelle einige Werte für die eingestellten Kriechgeschwindigkeiten:

ModellBrawa V160Roco V80Roco V60
MotorOriginalOriginalFaulhaber
DecoderZimo MX64DZimo MX630Zimo MX630

CV-Wert der Anfahrspannung
(CV 3 bzw. 67) bei Fahrstufe 1

163025

Kriechgeschwindigkeit in TrainController
(Interne Stufe / Fahrstufe Decoder)

60 / 830 / 430 / 5
Umgerechnete Geschwindigkeit 1Km/h2 Km/h1 Km/h

Eine Alternative wäre es natürlich, die Anfahrspannung hoch, und dann doch die Kriechgeschwindigkeit mit Fahrstufe "1" gleich zu setzen. im Interesse eines feinfühligen Rangierbetriebs, der auf meiner Anlage zweifelsfrei den betrieblichen Schwerpunkt darstellt, habe ich mich jedoch für die oben vorgestellte Lösung entschieden.

Eingestellt wird die Kriechgeschwindigkeit über den Regler auf de rechten Seite. Mit den Pfeiltasten "→" und "←" wird die Geschwindigkeit um mehrere Stufen erhöht oder verringert, hält man gleichzeitig die "strg"-Taste gedrückt, ist es immer genau eine Stufe.

Geschwindigkeitsprofil

Wenn TrainController eine Lok einmisst, wird diese Lok bis zu 15x pro Fahrtrichtung in unterschiedlichen Geschwindigkeiten über eine genau definierte Messstrecke gefahren, die dafür benötige Zeit automatisch gestoppt und so ein genaues Geschwindigkeitsprofil erstellt. Dieses Profil ermöglicht es der Software, die hinterlegten Lokomotiven so präzise zu steuern, dass sie in Blöcken mit hinterlegter Bremsrampe und Haltepunkt auf wenige Millimeter genau anhalten.
Hinter dem Reiter "Geschwindigkeitsprofil" verbergen sich neben den Einstellungen zum messen einer einzelnen Fahrstufe (siehe "Einstellen der Höchstgeschwindigkeit") auch die jetzt benötigten Einstellungen. Bei "Messung" die Option "Automatische Messung des gesamten Geschwindigkeitsprofils mit..." auswählen, die Lok so im Startblock aufstellen, dass sie bei Vorwärtsfahrt vom Startblock (diesen sowie die weiteren natürlich aus der Drop-Down Liste auswählen) über "Mitte" nach "Ziel" fährt, die Längen von "Mitte" sowie den Auslauf (ich nutze die 3-fache Modellänge) eingeben und eine Pause zwischen den einzelnen Durchläufen definieren. Wichtig: Der Auslauf muss so bemessen sein, dass der Block Mitte nach einer Durchfahrt vor dem Wechsel der Fahrtrichtung frei ist und so, dass die Lok bei den höheren Geschwindigkeiten genug Zeit zum Beschleunigen hat. Nun kann die Messung mit einem Klick auf "Start" angestoßen werden. Hinweis: Bei einer langen Messstrecke und sehr niedrigen Anfangsgeschwindigkeiten kann das Erstellen des Profils einige Zeit in Anspruch nehmen. Gut 30 Minuten bei einer Messstrecke von 100cm muss ich bei mir veranschlagen.

Kontaktpunkt

Der Abstand in Zentimetern von den Puffern bis zur ersten Achse, die die Belegtmeldung auslöst. Er ist Fahrrichtungsabhängig und unter Umständen unzuverlässig, wenn die erste Achse mit Haftreifen ausgestattet ist. In einem solchen Fall ist es sinnvoll, sofern möglich die Achsen zu tauschen, damit die erste Achse eben keine Haftreifen hat.

Bremsausgleich

Zu guter letzt steht noch der Bremsausgleich auf der To-Do Liste: Es ist die Feinjustierung für das automatische Anhalten der Loks mit der die Bremsverzögerung des Decoders oder Schwungmassen ausgeglichen werden.


Als grundsätzlich Überlegung vorweg und unabhängig von den Fahrzeugeinstellungen sei darauf hingewiesen, dass es für die Genauigkeit der automatischen Steuerung gut ist, sämtlichen Bremsrampen auf der Anlage soweit möglich die gleiche Länge zu geben. Wird der Bremsausgleich einer Lok z.B. auf eine Bremsrampe von 80 Zentimetern eingestellt, wird sie auf anderen Bremsrampen mit 80 Zentimetern eine höhere Genauigkeit erreichen als auf längeren oder kürzeren Rampen.


Das Einstellen des Bremsausgleichs selbst erfolgt anhand eines einzelnen auswählbaren Belegtmelders. Die Lok wird so weit von diesem Abschnitt in Startposition gebracht, dass sie bis zum Messbereich ausreichend Strecke zum Beschleunigen hat, die Länge der Bremsrampe eingegeben, die Passende Messmethode unter "Messung" ausgewählt (siehe Screenshot) sowie Fahrtrichtung und Geschwindigkeit am oberen Regler eingestellt. Nach einem Klick auf "Start" beschleunigt die Lok auf die eingestellte Geschwindigkeit  und beginnt mit dem Ansprechen des ausgewählten Belegtmelders innerhalb der eingestellten Strecke ab zu bremsen und zu halten. Kommt die Lok zu spät zum stehen, muss der Bremsausgleich erhöht werden, steht sie zu früh, ist der Bremsausgleich zu hoch.