Alternativtext
V60 von Roco  

Das Einsatzspektrum der V60 umfasste in den 1960er Jahren neben dem Rangierdienst in großen Rangierbahnhöfen auch Übergabefahrten und Anschlussbedienungen  in ländlichen Regionen – so auch im bergischen Land. Damit wird es natürlich zum Pflichtmodell für meine Anlage und bedarf einiger Verfeinerungen.

Vorüberlegungen

Da die technischen Umbauten bei den meisten meiner Modelle gleich sind, liegt das primäre Augenmerk an dieser Stelle auf farblichen und Detailänderungen die am Modell durchgeführt werden können. Um diese fest zu legen, zunächst eine kleine Bilderserie von Vorbild und Modell, um die Schwachstellen zu erkennen. Die ersten Bilder zeigen original Aufnahmen aus den 1960er Jahren. Leider lassen sich hier abgesehen von der Lackierung nur wenige Details erkennen, weshalb die zweite Serie aktuelle Museumsmaschinen zeigt, auf denen einzelne Elemente wesentlich besser zu sehen sind. An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an die Bildautoren, die mir die Benutzung der Fotos gestattet haben.

Folgende potentielle Baustellen ergeben sich für mich:

  • Diverse Trittstufen sind farblich nicht abgesetzt
  • Die Trittstufen insbesondere an den Rangierbühnen sind nicht durchbrochen/durchgeätzt
  • Die Nummerntafel an den Geländern kann entfernt werden, da mein Modell nicht auf großen Rangierbahnhöfen unterwegs ist
  • Geländer sind farblich nicht abgesetzt
  • Verkümmerte Kranhaken an Vorbauten und Dach
  • Zugfunkantenne
  • Das Modell ist zu sauber


Hinweis für Lesemuffel: Hier habe ich ein Video bereit gestellt, welches in 5:38 Minuten zusammengefasst den Umbau zeigt.

Pflichtenheft

An erster Stelle die technischen Umbauten: Wie nach und nach alle meiner Modelle, soll auch die V60 Finescale Radsätze bekommen. Weiterhin wird der Motor durch einen Antriebssatz von SB-Modellbau ersetzt, da mich das Fahrverhalten insbesondere im Rangierbetrieb nicht überzeugt. Als Decoder erhält das Modell mit einem Zimo MX630 und die Pufferbohle wird mit Federpuffern aufgewertet.

Aus dem Vergleich der Vorbildfotos mit denen des Modells werden auf jeden Fall die angesprochenen farblichen Korrekturen an Griffstangen und Trittstufen durchgeführt, allerdings werde ich auf eine Alterung des Modells verzichten. Nicht, weil ich prinzipiell keine gealterten Modelle haben möchte, eher weil ich im Umgang mit der Spritzpistole noch derartig ungeübt bin, dass ich befürchte, mir das ganze Modell zu verschandeln. Das gäbe zwar wiederum die Gelegenheit im Rahmen einer kompletten Neulackierung eine individuelle Beschriftung an zu bringen, muss aber nicht sein

Die Zugfunkantenne muss gehen! Diese zu entfernen zieht zwangsweise eine Neulackierung des Dachs nach sich, daher kann ich auch gleich feinere Kranhaken von Weinert anbringen. Ob ich mich hingegen an den Haken auf den Vorbauten vergehe, werde ich kurzfristig davon abhängig machen, wie gut rot lackierte Haken zu dem Rot der Lok passen und ob ich die angespritzten Haken vernünftig entfernt bekomme.

Neue, durchgeätzte Trittstufen an den Rangierbühnen wären ein Traum. Vielleicht zeichne ich zu späterer Zeit einmal neue Trittstufen und lasse sie ätzen, beim jetzigen Umbau bleiben die Trittstufen abgesehen von der farblichen Überarbeitung unverändert.

Demontage

Zunächst wird das Modell zerlegt: Nach dem Lösen der beiden Kreuzschlitzschrauben auf der Unterseite lässt sich das Gehäuse mitsamt des Gewichts vom Rest abheben. Durch leichtes spreizen sowohl des Führerhauses als aus des restlichen Lokgehäuses lassen sich die drei Teile von einander Trennen. Um die untere Hälfte in die Einzelteile zu zerlegen, muss lediglich die Schraube gelöst werden, mit der der Motor befestigt ist. Der Rest ist gesteckt. Ein wenig Vorsicht ist bei der Zerlegung der Rangierbühnen geboten, hier gibt es einige Teile, die zu viel Gewalt mit konsequenter Boshaftigkeit in Form eines Totalschadens quittieren. Die obere Gitternachbildung ist mit zwei feinen Stiften in das Element mit den Trittstufen eingesteckt. Die Stifte sind dabei zum Teil auf der Unterseite verklebt, wobei sich die Klebestelle problemlos mit einer scharfen Klinge entfernen, und das Gitter nach oben abziehen lässt. Danach wird das Geländer ebenfalls vorsichtig nach oben abgezogen; Hier sind die Griffstangen ggf. in kleinen Löchern mit den Trittstufen verklebt, lösen lassen sie sich wieder wie die Gitterabbildung oben. Die Puffer sind nur gesteckt und halten auch die Nachbildung der Pufferbohle.

Radsätze

Die RP25/88 Radsätze stammen von Holger Gräler. Da die angetriebene Achse fest eingebaut ist, muss das Modell für den Einbau im Regelfall eingeschickt werden - es sei denn, man hat einen befreundeten Hobbykollegen, der dabei ist von Finescale auf H0pur umzusteigen und für den es gleich ist, ob er NEM-Radsätze austauschen lässt oder Radsätze nach RP25/88 :) In diesem Fall kann das Fahrwerk im Rahmen der sowie anstehenden Umbauarbeiten einfach ausgetauscht werden.

Fräsarbeiten

Der größte Aufwand fällt für den Einbau des Decoders an – zumindest wenn man ein Modell aus einer älteren Serie als Basis für den Umbau verwendet. Unterhalb des kürzeren Vorbaus muss eine Aussparung in das Metallgewicht gefräst werden, die man praktischer Weise direkt so anlegt, dass die Anschlusskabel des Decoders später unter den Einsatz mit der Inneneinrichtung herlaufen. Darauf achten, dass der Decoder so tief liegt, dass der unter dem Vorbau verlaufende Lichtleiter genug Platz hat.

Weiterhin befindet sich zwischen dem alten Motor und der Schwungmasse  im Auflagebereich des Rahmens ein kleiner Steg. Für den neuen Motor (SB-Modellbau) von muss dieser entfernt werden, sonst lässt sich der Motor nach dem Anziehen der Befestigungsschraube nicht frei drehen.

Arbeiten an der Platine

Die elektronischen Bauteile auf der Platine sind für den Betrieb mit Decoder unnötig, im schlechtesten Fall können sie sich sogar negativ auf den Betrieb des Decoders. Also raus damit, ebenso mit den kurzen Kupferlaschen, über die der Roco-Motor mit Strom versorgt wird – der Anschluss des neuen Motors erfolgt später über Lötverbindungen.
Um die Lampen mit dem Decoder zu schalten, dürfen ferner die Leiterbahnen zwischen Stromabnahme (grüne Markierung) und Lampe nicht bestehen bleiben. Ein kurzer Schnitt (rote Linie) auf jeder Seite der Platine kappt diese Verbindung, danach wird auf einer Seite eine Verbindung (blaue Linie) zwischen den beiden Lampen hergestellt (an diese Seite wird später der gemeinsame Rückleiter angeschlossen), womit die Arbeiten an der Platine erledigt sind.

Motor

Nach den eingangs beschriebenen Fräsarbeiten sind für den Einbau des Motors keine weiteren Maßnahmen erforderlich. Die Befestigung besteht aus einer einzelnen Schraube, welche den Motor von der Unterseite des Modell hält. Die auf dem Foto zu sehenden unterschiedlichen Gewindebohrungen ermöglichen es, den Motor als Ersatz für alle Produktionsvarianten zu nutzen.
Vor dem Zusammenbau des Modells die Lötlaschen vorsichtig in Richtung des Motors biegen, ansonsten ist der Zusammenbau sehr fummelig, zudem sorgt ein Kontakt von Lasche und Gehäuse für eine merkliche Zunahme des Geräuschpegels.

Decoder

Nach den oben beschriebenen Vorarbeiten ist der Einbau des Decoders an der Reihe. Er wird mit doppelseitigem Klebeband in die Aussparung geklebt und die Kabel auf die benötigte Länge gekürzt. Der Anschluss erfolgt nach folgendem Schema:

Fahreigenschaften

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob die neuen Fahreigenschaften den betriebenen Aufwand rechtfertigen...

Um es gleich vorweg zu nehmen: Mit dem Erkenntnissen nach diesem Umbau würde ich ein weiteres Modell heute nicht mehr einzeln mit neuen Radsätzen  und einem neuen Motor ausrüsten, sondern sofort in ein Pendelachsfahrwerk von Holger Gräler investieren.

Die Fahreigenschaften werden mit dem Motor von Faulhaber zwar deutlich besser, im unteren Geschwindigkeitsbereich ruckelt die Lok jedoch Getriebebedingt minimal. Dies mag nicht sofort auffallen, in Kombination mit den Kupplungen von Kadee, welche von Haus aus leicht federn, können sich mehrere Wagen aber merklich "Aufschaukeln". Ein solcher Zug sieht auf der Anlage alles andere als gut aus und führt den durchgeführten Aufwand ad absurdum.

Da ich es immer schwierig finde, Modellbewertungen von mir unbekannten Modellbahnern entsprechend meiner Ansprüche zu bewerten, habe ich von den Fahreigenschaften einige Videos gemacht. Dadurch hoffe ich Hobbykollegen die Möglichkeit zu geben, die Fahreigenschaften anhand ihrer eigenen Bewertungskriterien beurteilen zu können. Die Videos zeigen die Lok mit herkömmlichen Kupplungen (oberes Video), bei denen das leichte Ruckeln nicht so extrem auffällt sowie mit Kadee Kupplungen, bei denen es deutlich zu erkennen ist. Die eher bescheidene Qualität der Videos bitte ich zu entschuldigen, mir steht lediglich eine Webcam für Aufnahmen zur Verfügung...

Fahrwerk von Gräler

Nach dem Besuch in der Werkstatt von Holger Gräler präsentiert sich das Innenleben der Lok komplett renoviert: Die beiden äußeren Achsen sind nun angetrieben, wobei die neu mit einem Antrieb versehene Achse pendelnd gelagert und vom alten Getriebeblock ist nicht mehr viel übrig ist. Das abnehmbare Gewicht, das normalerweise Motor und Getriebe abdeckt ist fest im Gehäuse verklebt...

Federpuffer

Für den Austausch der Puffer muss eigentlich nur die bereits vorhandene Bohrung vergrößert werden. Die viereckigen Löcher werden mit einem Handbohrer erweitert, die Löcher im Metallrahmen mit einem Bohrer oder Fräser und schon können die federpuffer von Weinert eingesteckt werden.
Hinweis: Im Normalfall wird die gesamte Pufferbohle durch die Puffer gehalten. da dies jetzt nicht mehr der Fall ist, müssen die Teile bei den Endmontage eingeklebt werden.

Farbliche Korrekturen

Einige wenige farbliche Korrekturen bringen das Großserienmodell noch ein wenig näher an das original, die RAL Farben sind die üblichen verdächtigen für Dieselloks der späten Epoche III:

Dach BetongrauRAL 7023
Lokaufbau PurpurrotRAL 3004
Zierstreifen SandgelbRAL 1002
Anschriften SandgelbRAL 1002
Warnanstrich SandgelbRAL 1002
Handstangen SchwarzgrauRAL 7021
Rahmen SchwarzgrauRAL 7021
Räder KarminrotRAL 3002
Stangennuten KarminrotRAL 3002

Griffstangen & Geländer

Auf den Vorbildfotos sind zwei unterschiedliche Lackierungen der Geländer an den Rangierbühnen zu sehen: Sowohl mit Gelben Elementen im Aufstiegsbereich der vorderen und hinteren Rangierbühnen als auch mit komplett roten Geländern. Die Ausführung mit den gelben Elementen ist meines Wissens der Auslieferungszustand. In den 1960er Jahren wurden Geländer und Griffstangen einheitlich rot lackiert, also müssen diese Elemente am Modell ebenfalls rot lackiert werden, ebenso wie die restlichen Griffstangen.


Bei der Montage der Geländer habe ich den Konstrukteuren von Roco des Öfteren die ein- oder andere Unfreundlichkeit an den Hals gewünscht: Die einfachen Griffstangen lassen sich nach dem anspitzen der Zapfen zwar noch recht gut einkleben, wobei jede Bearbeitung natürlich die Gefahr von Lackschäden nach sich zieht. Insbesondere die Geländer neben den Aufstiegen haben mich aber an den Rand der Verzweiflung getrieben. Während die geraden Griffstangen noch ganz gut mit der Hand ins Ziel gezittert werden können, ist hier Schluss. Finger und benötigter Druck sind zu groß, sodass eine Pinzette helfen muss. Dieses Harte Werkzeug ist aber sozusagen auch ein Garant dafür, dass die dünne Lacksicht Schaden nimmt und die ursprüngliche Farbe wieder durchkommt und mit stark verdünnter Farbe und Pinsel nachgearbeitet werden muss.

Trittstufen

Die Farbe der Trittstufen an den Rangierbühnen lassen sich nicht genau eruieren, das Material ist verzinktes Stahlblech. Auf diversen Fotos sehen die Trittstufen recht hell aus, daher werden sie zunächst Aluminiumfarben gestrichen - das will mir aber nicht so richtig gefallen. Von Gunze gibt es den Farbton "Stainless". Der wirkt auf den Nahaufnahmen zwar etwas schmuddelig, am Modell aber deutlich besser als die Ausführung mit Aluminium.

Rangierbühnen

Die Lokomotiven wurden unterhalb der Lampen an den Rangierbühnen mit einer gelben Warnlackierung ausgeliefert wie sie auch am Roco-Modell zu finden sind. Diese Warnlackierung wurde zu Beginn der 1960er Jahre wieder entfernt, gleiches ist also an den Teilen des Modells zu erledigen. Als Alternative zur Neulackierung lässt sich die Bedruckung recht gut mit dem Druck- und Lackentferne DLE90 von Lux und Wattestäbchen entfernen.
Ab jetzt wird das Modell wieder sukzessive zusammengebaut. Los geht es mit den Rangierbühnen, wobei die Pufferbohle bei dieser Gelegenheit noch Bremsschläuche und Kupplungshaken erhält:

Dach

Einige der Dacharmaturen werden durch Teile von Weinert ausgetauscht: Das Läutwerk sowie das Signalhorn. Die im Pflichtenheft angesprochenen Haken zum anheben des Führerhauses bzw. die verkümmerten Nachbildungen am Modell lassen sich mit einem Stichel gut entfernen. Ich habe zunächst versucht, die eigentlichen Haken aus dünnem Draht nachzubilden, dann aber im Wagenwerk doch noch passende Haken von Weinert gefunden und diese verwendet.

Endergebnis

Der Film zum Umbau

Für diejenigen, denen der Baubericht zu lang war:

Links

Getreu dem Motto "viele Wege führen nach Rom" noch ein paar Links zu anderen Modellbahnern, die ihrer V60 ebenfalls einen (Digital)Umbau verpasst haben: